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Zeitarbeit: Chancengeber und Konjunkturmotor

Analog zur Gesamtheit aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im letzten Jahr auch die Zahl der Zeitarbeitskräfte gestiegen. „Das beweist, dass die Wirtschaft Zeitarbeit braucht, um flexibel auf schwankende Auftragslagen reagieren zu können“, bestätigt Werner Stolz, Hauptgeschäftsführer des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Statt eigenes Personal ständig auf- und abzubauen, hilft die Branche solche Puffer durch unternehmensübergreifende Einsatzwechsel sozialadäquat auszugleichen.

Insoweit sei die Zeitarbeit auch eine unverzichtbare Säule in der sozialen Marktwirtschaft. „Keine andere Branche bietet so viele diskriminierungsfreie Einstiegschancen in den Arbeitsmarkt“, erinnert Stolz daran, dass zwei Drittel der Zeitarbeitnehmer zuvor beschäftigungslos waren. Und dies alles zu Mindest-Tarifkonditionen, die unter anderem mit IG Metall, IG BCE und ver.di abgeschlossen wurden und keinen Branchenvergleich mehr scheuen müssen.

Integration

Und auch in der Integration von Flüchtlingen sei die Branche Vorreiter: Jeder fünfte Flüchtling fand einen Job in der Zeitarbeit – und das obwohl die Branche nur 2,7 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland zählt. „Ob sich die Kritiker dessen bewusst sind, wenn sie in monotoner Dauerschleife die Beschränkungen der Branche fordern?“, fragt Stolz. (ML)

990.792 Zeitarbeitskräfte zählte die Bundesagentur für Arbeit (BA) im

990.792 Zeitarbeitskräfte zählte die Bundesagentur für Arbeit (BA) im Jahresdurchschnitt 2016. Der Anteil der Zeitarbeitskräfte an allen Beschäftigten in Deutschland lag damit bei 2,7 Prozent.

Das geht aus der jüngst veröffentlichten BA-Statistik „Leiharbeitnehmer und Verleihbetriebe – 1. Halbjahr 2016“ hervor.

Bremen hat mit 4,7 Prozent den höchsten Zeitarbeitsanteil, gefolgt von Thüringen (3,9 Prozent), Hamburg und Sachsen (je 3,1 Prozent). Schlusslichter sind Mecklenburg-Vorpommern (1,9 Prozent) und Schleswig-Holstein (2,0 Prozent). Zahlenmäßig vorne liegt das einwohnerstärkste Bundesland Nordrhein-Westfalen (234.048 Zeitarbeitskräfte).

Einsatzbranchen Fast jede vierte Zeitarbeitskraft ist im Bereich „Verkehr und Logistik“ tätig (251.945 Zeitarbeitnehmer, 24,3 Prozent). Hierzu gehört auch die Lagerwirtschaft. „Verkehr und Logistik“ ist nicht nur die Top-Einsatzbranche, sie ist im Vergleich zum Vorjahr auch am stärksten gewachsen (+9,2 Prozent), ebenso wie der Bereich „Führer von Fahrzeug und Transportgeräten“ (+9,2 Prozent auf 35.906).

Die zweithäufigste Einsatzbranche ist „Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau“. Hier arbeiteten im Jahr 2016 durchschnittlich 145.771 Zeitarbeitnehmer (14,7 Prozent), was einem Plus von 2,1 Prozent zu 2015 entspricht. „Verkehr und Logistik“ vorn

Kongruent dazu ist der Anteil der Zeitarbeitskräfte an allen Beschäftigten in der Branche: Im Bereich „Verkehr und Logistik“ (einschließlich Lagerwirtschaft) ist etwa jeder zehnte Beschäftigte (10,2 Prozent) von einem Zeitarbeitsunternehmen überlassen. In der „Metallerzeugung, -bearbeitung, Metallbau“ liegt der Anteil bei 10,8 Prozent. Besonders hoch ist er mit Blick auf den Teilbereich Metallbearbeitung (14,9 Prozent). Hohe Vollzeitquote 92,9 Prozent der Zeitarbeitskräfte (920.043) sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. 78,1 Prozent (773.839) arbeiten in Vollzeit, 70 Prozent (692.995) sind Männer.

Die meisten Zeitarbeitskräfte sind zwischen 25 und 35 Jahre alt (304.710; 30,7 Prozent), nur 13 Prozent (128.433) sind älter als 55 Jahre. (ML)

Lünendonk-Studie: Wettbewerbsnachteile für Branchen ohne Zuschlagstarife

Equal Pay führt zu großen Herausforderungen

Die 25 führenden Zeitarbeits- und Personaldienstleistungsunternehmen rechnen mit einem wachsenden Umsatz im Jahr 2017. Laut der Lünendonk-Liste 2017 „Führende Zeitarbeits- und Personaldienstleistungsunternehmen in Deutschland“ schauen die Unternehmen positiv in das Jahr 2017.

In diesem Jahr wird mit einem Marktwachstum von 2,9 Prozent gerechnet. Die Top 25 der umsatzstärksten Zeitarbeitsunternehmen erzielten 2016 eine Umsatzsteigerung von 6,5 Prozent. Das bedeutet wiederum einen Anstieg von 4,3 Prozent bei den Zeitarbeitnehmern.

Zukünftige Herausforderungen

Durch Gesetzesänderungen, die am 1. April 2017 in Kraft getreten sind, müssen sich Zeitarbeitsunternehmen 2018 großen Herausforderungen stellen. Das trifft vor allem auf Branchen zu, in denen es keine Zuschlagstarife für Zeitarbeitnehmer gibt. Daher wird mit einem Rückgang der Zahl der Zeitarbeitnehmer von bis zu 5,8 Prozent gerechnet. Dadurch könnten laut Lünendonk-Studie über 57.000 Zeitarbeitnehmer im Jahr 2018 ihren Arbeitsplatz verlieren.

Besonderer Fokus auf Equal Pay

„Besonders das Thema Equal Pay dürfte gleiche Wettbewerbsbedingungen in der Wirtschaft einschränken“, erläutert Hartmut Lüerßen, Partner von Lünendonk. Momentan sind nur 49 Prozent der Zeitarbeitnehmer in Kundenbranchen beschäftigt, in denen es Zuschlagstarife gibt. Branchen ohne Equal Pay müssten zusammen mit Gewerkschaften eigene zusätzliche Tarife entwickeln oder für den Zeitarbeitnehmer die relevanten Equal Pay-Lohnbestandteile berechnen und dokumentieren.

Verfassungswidrige Diskriminierung nicht tarifgebundener Arbeitgeber im neuen AÜG?

In einem Beitrag für das Handelsblatt schreibt RA Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Löwisch über die den jüngst ausgehandelten Leiharbeits-Tarifvertrag für die Metall- und Elektrobranche. Dieser sieht eine Höchstüberlassungsdauer von bis zu 4 Jahren vor, was jedoch (in Zusammenhang mit §1 AÜG) nur für tarifgebundene Arbeitgeber gelten soll. Der Autor kommt generell zu dem Fazit, dass die in § 1 Absatz 1b Satz 6 AÜG festgelegte Beschränkung auf 24 Monate Höchstüberlassung für tarifungebundende Arbeitgeber eine Diskriminierung und zweckgesteuerte Unverhältnismäßigkeit darstellt. Es handele sich somit um eine verfassungswidrige -und damit nichtige- Regelung. Prof. Löwisch: "Betriebs- und Dienstvereinbarungen nicht tarifgebundener Arbeitgeber können also ebenso wie Betriebs- und Dienstvereinbarungen tarifgebundener Arbeitgeber die vom Tarifvertrag vorgegebene Überlassungshöchstdauer ausschöpfen. In der Metallindustrie stehen auch ihnen 48 Monate zur Verfügung." Quelle: Handelsblatt vom 17.05.2017

Gute Arbeitsmarktentwicklung in der Zeitarbeitsbranche setzt sich fort

827.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zählte die Bundesagentur für Arbeit im Februar 2017 in der Zeitarbeitsbranche. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg um 35.000 Zeitarbeitskräfte (4,4 Prozent). Im Vergleich zum Januar 2017 wuchs die Zahl um 3.000 Beschäftigte (0,4 Prozent).

„Der Wachstumstrend in der deutschen Wirtschaft dürfte sich auch im ersten Quartal 2017 fortgesetzt haben“, kommentierte die BA die Entwicklung im Monatsbericht April 2017 zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sowie die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern nahmen weiter zu und auch die Arbeitslosigkeit verzeichnete erneut einen saisonbereinigten Rückgang.

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