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IGZ - News

Schwächelnde Konjunktur wirkt sich auf Zeitarbeit aus - September 2019

Arbeitgeber unter Druck

Seit jeher gilt die Zeitarbeitsbranche als Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft. Einbrüche und Auftragsrückgänge machen sich stets zuerst bei den Zeitarbeitsunternehmen bemerkbar. In diesem Jahr sind die Zeitarbeitsunternehmen offenbar wieder stärker von der schwächelnden Konjunktur betroffen. Die von den Unternehmen gemeldeten Zahlen zum zweiten Quartal fallen laut einer Lünendonk-Pressemitteilung stark ab.

Hut nehmen wegen starker Auftragsrückgänge heißt es derzeit vor allem in der Automobilindustrie.

In der Liste der 25 führenden Zeitarbeits- und Personaldienstleistungsunternehmen registriert beispielsweise Manpower mit einem Minus von 30 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal 2018 den größten Verlust. Adecco verliert, so Lünendonk, 18 Prozent, Marktführer Randstad notiert ein Minus von 15 Prozent.

Umsatzrückgang

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der erwirtschaftete Umsatz der Branche im Geschäftsjahr 2019 unterhalb der Jahre 2017 und 2018 liegt. 2018 konnten die Firmen wegen des stärkeren Jahresbeginns noch auf Vorjahresniveau abschließen. Die starken Umsatzrückgänge führen die Unternehmen laut Pressemitteilungen in erster Linie auf die Marktabschwächung zurück.

Automobilindustrie

Vor allem die schwache Automobilindustrie habe durch den Handelskrieg und eine geringere Nachfrage Auftragsrückgänge zu verzeichnen. Auch Automobilzulieferer, von denen ein Großteil mittelständische Unternehmen und somit wichtiger Arbeitgeber in Deutschland seien, geraten stärker unter Druck. Stellen werden, so Lünendonk, abgebaut. Davon seien zuallererst die Zeitarbeitnehmer betroffen.

Problem AÜG-Reform

Auch mit den anhaltenden Auswirkungen der regulatorischen Änderungen (AÜG-Reform) haben Personaldienstleister nach wie vor zu kämpfen. Obwohl sich die aktuelle Lage laut ifo-Institut im August leicht verbessert habe, seien viele Indikatoren noch auf Schrumpfung ausgerichtet. (WLI)

 

BASF-Chef Dr. Martin Brudermüller sprach mit Hubertus Heil

Konzernchef kritisiert Zeitarbeitsregelung

Deutliche Worte zur zunehmend restriktiven Regelung der Zeitarbeitsbranche fand jetzt der BASF-Konzernchef Dr. Martin Brudermüller bei einem Besuch von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (beide SPD) im Ludwigshafener Werk des weltgrößten Chemiekonzerns.

BASF-Vorstandsvorsitzender Dr. Martin Brudermüller: "Digitale Projektarbeiten bedingen wesentlich mehr Beweglichkeit vor allem im Bereich der Zeitarbeit."

„Es ist falsch, dass wir den Arbeitsmarkt immer mehr regulieren“, unterstrich Brudermüller laut einem Bericht der Zeitung „Mannheimer Morgen“. Besonders die Einschränkungen bei der Zeitarbeit sorgen laut Konzernchef zunehmend für immer mehr Probleme. Digitale Projektarbeiten, so Brudermüller, bedingen wesentlich mehr Beweglichkeit vor allem im Bereich der Zeitarbeit. Mehr Flexibilität und weniger Regulierung müsse die Devise lauten. Sonst könne die Wirtschaft die Herausforderungen des digitalen Wandels laut BASF-Vorstandsvorsitzendem weder realisieren noch überhaupt meistern.

Echte Hürde

Durch die jüngste Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes wurde unter anderem eine Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten festgelegt. Für Kundenunternehmen der Zeitarbeitsbranche und Zeitarbeitsunternehmen gleichermaßen bedeutet das eine echte Hürde: Insbesondere der Einsatz von Ingenieuren und Fachkräften in Projektarbeiten, Teilnehmern an Weiterbildungsmaßnahmen oder Vertretungen in Elternzeit, deren Überlassungsdauer in der Regel 18 Monate überschreitet, wird dadurch in höchstem Maße erschwert.

Wettbewerb erschwert

Mit Folgen: Diese Bedingungen schränken nicht nur die nationale wie auch internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ein, sondern bedeuten auch Nachteile für die Zeitarbeitnehmer. Entweder werden sie gar nicht mehr eingesetzt oder arbeiten nur noch zeitlich beschränkt. Die Auswirkungen zeigen sich bereits: Zunehmend werden Zeitarbeitskräfte, auch mit Blick auf die immer größer werdende Konjunkturdelle, abgemeldet oder erst gar nicht mehr geordert. (WLI)

 

„Weil ich Arbeitsbedingungen selbst aushandeln kann.“

Der Operationssaal ist sein Arbeitsplatz. Robert Gellißen ist Intensivkrankenpfleger und kümmert sich um die Kontrolle und Überwachung im OP, Bedarfsmaterialien sowie Anästhesie von Patienten. „Ich bin seit 37 Jahren in der Pflege tätig und bekomme von meinen Patienten viel zurück!“, berichtet der 54-Jährige. Seit Januar diesen Jahres ist er beim iGZ-Mitglied Webawi Personal GmbH angestellt und hat andere Arbeitsbedingungen.

Erst vergangene Woche wurde eine Frau mit Zwerchfellbruch eingeliefert. „Sie hatte solche Angst vor der OP und ich konnte sie beruhigen. Als sie nach der OP wieder aufwachte, bedankte sie sich überschwänglich und wollte mich mit nach Hause nehmen.“, erzählt der erfahrende Pfleger. Trotzdem seien Krankenhäuser mittlerweile wie Irrenhäuser, da alles auf Wirtschaftlichkeit getrimmt werde und das Motto „schneller, weiter, höher“ gelte.

Seit Januar diesen Jahres ist Robert Gellißen bei einem Zeitarbeitsunternehmen angestellt. „Heute muss ich keinen Bereitschaftsdienst mehr machen, sondern kann meine Arbeitsbedingungen selbst aushandeln“, berichtet der Pflegeexperte stolz. Auch der Verdienst sei durch die Zulagen in der Zeitarbeit deutlich besser als vorher.

AÜG-Reform verunsichert Zeitarbeitnehmer

Es ist nicht alles Gold, was glänzt – und schon gar nicht glänzt die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG), die wohl eher so überflüssig wie ein Kropf ist. So jedenfalls könnte das Fazit einer Umfrage lauten, die das unabhängige Marktforschungs- und Analyseunternehmens Lünendonk im Auftrag des iGZ-Mitgliedsunternehmens Orizon unter dessen Zeitarbeitnehmern durchführte.

Entgegen den Absichten des Gesetzgebers beschere die AÜG-Reform vielen Zeitarbeitnehmern zwar ein Gehaltsplus durch Equal Pay, gleichzeitig herrsche aber auch Angst vor häufigeren Einsatzwechseln mit Gehaltsrückgang oder einem Jobverlust. Generell, so Orizon in seiner Pressemitteilung, herrsche eine größere Unsicherheit.

Arbeitsverträge befristet

Einer der Hauptfaktoren sei die Art des Arbeitsvertrages: Rund zwei Drittel der von den Kundenunternehmen übernommenen Zeitarbeitnehmer erhielten lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag. Zum Vergleich: In der Zeitarbeitsbranche sind rund 90 Prozent aller Arbeitsverträge unbefristet.

Einsatzwechsel

Weiterhin, so das Ergebnis, erwarten die Teilnehmer der Studie, dass Zeitarbeitnehmer als Folge der AÜG-Reform häufiger „ausgewechselt“ werden und durch diese häufigeren Einsatzwechsel auch stärkeren Schwankungen beim Gehalt ausgesetzt sind. Auch eine generell höhere Angst vor einem Jobverlust treibe die Befragten um.

Unsicherheit

Und die Stimmung sei durchaus kritisch: Rund 54 Prozent der Befragten stimmen zu, dass die Nachteile der AÜG-Reform für Zeitarbeitnehmer überwiegen. CEO Dr. Dieter Traub zieht das Fazit: „Unsere Umfrage zeigt, dass eine Gehaltssteigerung durch Übernahme oder Equal Pay unter dem Strich mit deutlich größeren Ängsten und Unsicherheiten auf Seiten der Zeitarbeitnehmer bezahlt wird. Wir müssen unseren Arbeitnehmern die Vorteile in der Zeitarbeit durch Equal Pay und eine unbefristete Beschäftigung nun noch deutlicher erklären und ihnen Sicherheit geben.“

Tendenzen

Die Umfrage fand zu einem sehr frühen Zeitpunkt statt, nachdem zum 1. Januar 2018 erstmals für eine größere Zahl von Beschäftigen die Bestimmungen zu Equal Pay wirksam wurden. Die Studie weist damit auf Tendenzen hin, die sich am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten verfestigen könnten – nicht zuletzt aufgrund der noch zu erwartenden Auswirkungen der Gesetzesreform.

Tiefer Einschnitt

Insbesondere das erstmalige Eintreten der 18-monatigen Höchstüberlassungsdauer am 1. Oktober 2018 wird ein weiterer tiefer Einschnitt für die Branche sein. Für die Befragung im Februar wurden rund 1.500 Zeitarbeitnehmer befragt, die zum 1. Januar 2018 von der Equal Pay-Regelung betroffen waren.

Zeitarbeit langfristige Beschäftigungsperspektive

Ein Drittel der 260.000 Arbeitnehmer, die 2017 von der Bundesagentur für Arbeit (BA) in eine neue Stelle vermittelt wurden, nahmen eine Beschäftigung in der Zeitarbeitsbranche auf. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Grünen hervor.

Auf die Anmerkung der Grünen-Politikerin Beate Müller-Gemmeke dazu – "Es scheint, die schnelle Vermittlung in Leiharbeit steht immer noch im Mittelpunkt, obwohl die Menschen schnell wieder arbeitslos werden" – reagierte iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz: „Fakt ist: Bei einer Betrachtung im Zweijahreszeitraum sind etwa 70 Prozent der Zeitarbeitskräfte weiterhin in Beschäftigung – sowohl bei Personaldienstleistern als auch außerhalb der Branche.“

Erwerbslosigkeit beendet

Das habe das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen (RWI) herausgefunden. In der Studie „Durchlässiger Arbeitsmarkt durch Zeitarbeit?“ für die Bertelsmann Stiftung heiße es: „Die Mehrheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die aus der Arbeitslosigkeit heraus eine Beschäftigung in der Zeitarbeit aufgenommen haben, hat somit offenbar auch längerfristig ihre Erwerbslosigkeit beenden können.“

Nachhaltige Beschäftigung

Stolz: „Zu ähnlichen Erkenntnissen kommt auch die Bundesagentur für Arbeit (BA). Nach ihren Analysen bleiben über 60 Prozent der vorher Arbeitslosen, die über Zeitarbeit einen neuen Einstieg in den Arbeitsmarkt gefunden haben, nachhaltig in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Nach einem Jahr wechselt der BA zufolge außerdem gut ein Viertel der aus der Arbeitslosigkeit kommenden Zeitarbeitnehmer in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung außerhalb der Zeitarbeit.“

Integrationsinstrument

Damit werde sowohl vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung als auch von der Bundesagentur für Arbeit das Vorurteil widerlegt, dass Zeitarbeit nur kurzfristige Beschäftigungsperspektiven biete. „Das Gegenteil ist der Fall und die Branche somit ein wichtiges Integrationsinstrument mit neuen Beschäftigungschancen insbesondere auch für arbeitslose Menschen“, betonte der iGZ-Hauptgeschäftsführer. (WLI)

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